DAS SCHNECKENRENNEN UM DEN CDU-PARTEIVORSITZ


Ein Schneckenrennen ist ein zur Belustigung der Zuschauer abgehaltener Wettkampf, der vor allem Kinder anspricht. So definiert Wikipedia den Wettbewerb der wohl langsamsten Tiere.

Dieses Bild drängt sich dem Beobachter des Wettbewerbs der Kandidaten um den CDU-Parteivorsitz auf, wenn er die aktuelle Umfrage des Deutschlandtrends vor Augen hat. Der einzige im Moment in Regierungsverantwortung agierende Politiker, der Ministerpräsident von NRW, immerhin mit 18 Millionen das bevölkerungsreichste Bundesland, verliert fast 10% an Zustimmung unter den CDU-Mitgliedern. Sein schärfster Konkurrent Friedrich Merz, derzeit ohne Amt und Würden, vereint fast doppelt so viele Stimmen auf sich, muss aber auch den Verlust von 8% Zustimmung verbuchen. Er geht dennoch nach eigenen Worten davon aus, am 16. Januar 2021 zum Parteivorsitzenden gewählt zu werden. Und dann ist da noch Norbert Röttgen, der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Deutschen Bundestag. Er legt um 4% an Zustimmung zu, kommt damit aber gerade mal auf ein Prozent der Stimmen mehr als Armin Laschet. Er spürt „Rückenwind“ für seine Kandidatur ungeachtet der Tatsache, dass er 2012 mit 26,3% das schlechteste Wahlergebnis aller Zeiten für die CDU in NRW eingefahren hat. Das haben die Basis und alle, die seinetwegen Mandate und Wahlkreise verloren haben, nicht vergessen und nicht verziehen. Zudem sind die Menschen, denen er vor den Kopf gestoßen hat, Legion. Sein Nachfolger Armin Laschet hat mühsam Röttgens Katastrophe aufgearbeitet und die CDU in NRW zurück zu einstiger Größe geführt. Dabei hat auch Friedrich Merz nur zugeschaut als Aufsichtsratsvorsitzender des Kölner Flughafens. Laschet hatte ihn dort installiert. Heute sind beide nicht mehr beste Freunde. Warum also schneidet der MP von NRW so schlecht ab? Vielleicht hilft der Blick auf den vierten Wert, der im Deutschlandtrend erfasst wird: der Kandidat mit dem Label „Keiner der Drei“ verfügt über 21% Zustimmung nach 8% Zugewinn. Damit liegt dieser deutlich vor Röttgen und Laschet, aber hinter Merz, dem er allerdings diese 8% abgenommen hat. In Wahrheit hat dieser Kandidat einen Namen, der in der Partei hinter vorgehaltener Hand immer öfter fällt: es ist der Ehemann des Journalisten Daniel Funke: Jens Spahn, Bundesminister für Gesundheit. Seine Mitwirkung im Team Laschet als Co-Kandidat wird nicht mehr wahrgenommen oder ihm angesichts seiner ansehnlichen Performance in der Corona-Krise übelgenommen. Träte er jetzt noch an, würde er Vorwürfe der Illoyalität und des Wortbruchs kassieren. Seit fast 20 Jahren sitzt er im Deutschen Bundestag, war Sprecher für Gesundheit, Staatssekretär für Finanzen und ist jetzt oberster Pandemiebekämpfer. Eine Kandidatur seinerseits würde das Schneckenrennen der Christdemokraten, das weit entfernt davon ist, eine „wilde Achterbahnfahrt“ zu sein, wie es die derzeitige Amtsinhaberin AKK gerne hätte, auf Super-Slow-Motion stellen. Und nebenbei die Partei im Superwahljahr 2021 der Lächerlichkeit preisgeben. Es dürfte eine Illusion sein, von Armin Laschet, Körpergröße 168 cm, oder von Norbert Röttgen, Körpergröße 171 cm, die Größe zu erwarten, zugunsten eines Friedrich Merz, 198 cm, oder eines Jens Spahn, 192 cm, sich nicht einer unkonventionellen Lösung zu verschließen und durch ihren Rückzug der CDU eine echte Alternative zu eröffnen. So wird sich das zeitbedingte und typbedingte Schneckenrennen bis zum Abpfiff hinziehen.

Wahlen gewinnen sie so alle nicht.



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